Lust statt Frust: Ärger von der Seele reden

 

Eine Schüssel randvoll mit Hefeteig und 400 Frauen an zwei Tagen für jeweils zwei bis drei Stunden in gemütlicher Runde zusammenbringen, das schaffen nur die Ehrenamtlichen vom Frühstückstreffen für Frauen. Unter dem Thema "Mir platzt gleich der Kragen" hatte das Team um Silvia Strecker eingeladen. Nach einer musikalischen Einstimmung durch Friedericke, Emmanuel und Anke Böhlert lockte zunächst ein kulinarisches Büfett.

 

Dann stieg Referentin Bärbel Neumann aus Dissen in das Thema ein und ließ die Zuhörer an ihrem Erfahrungsschatz als Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin, Seelsorgerin und Supervisorin teilhaben. Sie machte den Frauen klar: "Der Umgang mit Ärger und Wut begleitet unser Leben. Es ist schade, wenn der Ärger verpufft und Sie die Chance nicht nutzen, etwas in ihrem Leben zu verändern." Ärger kommt nicht aus dem Nichts. Er hat handfeste Gründe, etwa Stress oder Überforderung. "Das Tolle am Ärger: Er kribbelt. Es ist ein Gefühl, das uns vorwärts bringt." Dies setze allerdings auch Gedankenarbeit voraus. Fort vom Gefühl, "ich komme immer zu kurz". Neumann empfahl den Frauen "Ja" zu sich selbst zu sagen und sich klar zu machen: "Ich habe alles, was ich zum Leben brauche. Ich kann loslegen."

Ob Frau nun zu den Ruhigen gehört, die Ärger bislang lieber geschluckt haben, oder zu denen, die schon mal eine Porzellanschüssel auf dem Fußboden zertrümmern, die Referentin riet: Abstand gewinnen, eine andere Perspektive einnehmen und für sich sorgen. Ärger sei die Mutter der Veränderung, und genau dazu sollte dieses Gefühl genutzt werden. Dabei helfen könne nicht nur Hefeteig, den man in Wutsituationen mal so richtig kneten und schlagen könne, war die Erfahrung der Frauen. Helfen könnten auch Gebet und Vergebung. Alles in allem ein kurzweiliger Vortrag. Wie wertvoll den Zuhörerinnen die Frauenfrühstückstreffen sind, ließ Magdalene Zehrendt aus Salzwedel erahnen. "Ich habe mir die gesamten kleinen Bastelarbeiten, die wir hier geschenkt bekamen, aufgehoben und ins Bücherregal gestellt."

Quelle: Altmark-Zeitung, 23.03.2009, von Christel Schwerin