Sehr gut besuchte Frühstückstreffen für Frauen in Winterfeld / Carmen Seehafer:

„Bin eine glückliche Frau– mein Mann spricht“

„Ich glaube, ich bin eine glückliche Frau, denn mein Mann spricht.“ Mit diesem ersten Satz hatte Carmen Seehafer nicht nur sofort die Schmunzler, sondern auch die Sympathien auf ihrer Seite. Die Pastorin aus Bitterfeld sprach am Freitag und Sonnabend beim Frühstückstreffen für Frauen im Winterfelder „Wieseneck“ zum Thema „Das Schweigen der Männer“.

Von Heike Heinrich, Volksstimme vom 5.10.2010

 

Doch schon in den nächsten Sätzen relativierte Carmen Seehafer die Situation.„Das kann auch damit zusammenhängen, dass wir erst seit fünf Jahren verheiratet sind. Vielleicht müsste ich sagen:

Mein Mann spricht noch.“ Wieder ist ein Lächeln auf den Gesichtern der 216 Frauen zu sehen, die am Freitagabend zum Treffen gekommen sind. Für Sonnabend hatten sich nocheinmal 180 Frauen angemeldet.

Carmen  Seehafer stellte gleich zu Beginn klar: „Ich bin nichtmännerfeindlich.“ Der Titel der Veranstaltung solle nicht irritieren.„Mein Mann und ich fanden ihn originell“, so die 1970 in Potsdam  Geborene.

Generell sei es ja nicht so, dass Männer grundsätzlich schweigen.„Sie sprechen meist viel, wenn sie untereinander sind“, stellte Carmen Seehafer fest und fügte hinzu: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Mann sagt: Meine Frau redet nicht mit mir, und ich finde das schwierig.“ Wieder  Schmunzeln im Raum. Männer und Frauen würden ja miteinander reden, aber das Reden habe unterschiedliche Funktionen und oft reden sie aneinander vorbei. Beispiel: Er habe seit Jahren nicht gesagt, dass er sie liebt? – Das liegt wohl daran, dass sich an der Tatsache nichts geändert hat.

Carmen Seehafer konfrontierte bei den Treffen nicht nur mit allzu bekannten Verhaltensmustern, sondern gab auch Ratschläge, wie frau es besser machen kann. Ihr Tipp: Die Frauen sollten mit ihren Partnern nicht zu mütterlich umgehen. Und dann sei da noch der ständige Aufräum- und Nachräumfimmel. „Sie werden von Ihrem Mann nicht mehr geliebt, wenn Sie von ihm ständig Krümel abbürsten und ihn darauf hinweisen, nicht zu kleckern.“ So würde sie ihm das Gefühl geben, so wie du bist, bin ich nicht zufrieden. „Wichtig ist, ihm zu zeigen, dass Sie lieber mit ihm als mit Ihrem Schrubber zusammen sind“, sagte sie. Viele Frauen hätten auch einen Kommandoton an sich. Es sei eine Unsitte, Männer zu ermahnen, oft auch in der Öffentlichkeit, und somit bloß zu stellen. „Meckern Sie mit ihm zu Hause“, so ihre Bitte.

Und nicht zu vergessen: die Klatschsucht – es dürfte ihm ziemlich unangenehm sein, dass die Freundin ziemlich genau über die Partnerschaft Bescheid weiß – und die unbegründete Eifersucht – ein Gefühl, das nur Leiden schafft. Zudem gebe es Situationen, in denen sich Männer einfach nur falsch verhalten können, egal was sie sagen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, in welchem Kleid frau schicker aussieht. Und auch bei Dauerdiskussionen scheinen Frauen und Männer nicht zueinander zu finden. Während Frauen häufiger in der Lage sind, ihre Probleme besser in Worte zu kleiden, so Carmen Seehafer, möchten Männer lieber erst darüber nachdenken und dann eine Lösung präsentieren. „Im Reden eine Lösung finden? Das geht nicht!“, so die Referentin. Ihr Rat an die Frauen, die aufmerksam dem Vortrag folgten: „Wenn Sie besser mit Ihren Männern reden wollen, müssen Sie sachlicher sein, müssen Probleme nicht bereden, sondern lösen.“ Dennoch: Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau habe auch einen Sinn. Denn der Mensch brauche die Ergänzung. Was der andere spricht, könne wie eine Fremdsprache sein, die erlernt werden kann.

Neben all den Worten, die zum Nachdenken anregten, gab es auch Musik zum Zurücklehnen und Genießen. Maria Niewerth, Helene Otte, Helene Wilhelmine Düster, Sophie Wüstemann und Anke Böhlert spielten Werke alter Meister.